Kirchen(wieder)eintritt
Ausgetreten?
Zum Jahresende bemerken wir immer wieder eine Zunahme der Austritte aus unserer Kirche – auch wenn diese in den letzten Jahren leicht rückläufig waren. Die anstehende Steuerklärung mag diesen saisonalen Anstieg bewirken… Genau weiß ich das nicht, denn eigentlich niemand beantwortet den Brief, den ich nach einem Austrittschreibe. Darin frage ich unter anderem nach dem Austrittsgrund, weil der für uns als Gemeinde wichtig ist – denn aus Fehlern können wir lernen. Und wo wir nur den Austritt sehen, vollzieht sich ja öfter ein Übertritt in eine andere Kirche – in der unser gemeinsamer Glaube in anderen Formen gelebt wird. Der Übertritt eines Menschen schmerzt mich nicht, weil ich davon ausgehe, dass er danach glücklicher ist – und das freut mich.
Wir respektieren die Gründe, die Menschen zum Ausstritt aus unserer Kirche bewegen und halten unsere Türen offen. Vielleicht gibt es zu einem späteren Zeitpunkt ja Anlass diese Entscheidung zu überdenken:
So wie negative Erfahrungen zum Austritt bewegen können – können umgekehrt gute Erfahrungen die Frage nach dem Wiedereintritt lebendig werden lassen.
So wie finanzielle Engpässe zum Austritt bewegen können – können umgekehrt neue finanzielle Spielräume zum Wiedereintritt führen.
Eintreten?
Der (Wieder)Eintritt in unsere Kirche erfolgt bei der Kirchengemeinde vor Ort. Ein Gespräch mit dem Pfarrer leitet meist diesen Schritt ein – denn hier können auch alle wichtigen Fragen geklärt werden, die mit dem (Wieder)Eintritt verbunden sind:
- Ein formloser Antrag genügt: „Ich bitte um meine Aufnahme in die evangelische Kirchengemeinde."
- Die Entscheidung über Aufnahme trifft der Kirchengemeinderat – und nicht der Pfarrer (nebenbei: seit ich hier bin, gab es noch keine Ablehnung. Einziger Ablehnungsgrund wäre „öffentlich kirchenschädigendes Verhalten").
- Wie die Aufnahme vollzogen wird, entscheidet jede/r selbst. Da ist vieles möglich: von einer Zusendung der Urkunde per Post und der Aufnahme im Gottesdienst mit Segen.
- Die formale Aufnahme erfolgt stets zum Beginn des nächsten Kalendermonates. Zu diesem Zeitpunkt wird auch die Kirchensteuer in Höhe von 8% der Einkommenssteuer. Das heißt: wer viel verdient, zahlt mehr als der, der wenig verdient – starke Schultern tragen mehr als schwache. Das finde ich gut!
Gründe, dazuzugehören, gibt es viele. Zwölf davon können Sie unten lesen.
Herzlich
Ihr
Matthias Sehmsdorf, Pfarrer
Zwölf gute Gründe, in der Kirche zu sein
- Im christlichen Glauben bewahrt die Kirche eine Wahrheit, die Menschen sich nicht selber sagen können. Daraus ergeben sich Maßstäbe für ein verantwortungsbewusstes Leben.
- In der Kirche wird die menschliche Sehnsucht nach Segen gehört und beantwortet.
- Die Kirche begleitet Menschen von der Geburt bis zum Tod. Das stärkt auf geheimnisvolle Weise.
- In der Kirche können Menschen an einer Hoffnung auf Gott teilhaben, die über den Tod hinausreicht.
- Die Kirche ist ein Ort der Ruhe und Besinnung. Unsere Gesellschaft ist gut beraten, wenn sie solche Orte pflegt.
- In der Kirche treten Menschen mit Gebeten und Gottesdiensten für andere ein. Sie tun das auch stellvertretend für die Gesellschaft.
- Die kirchlichen Sonn- und Feiertage mit ihren Themen, ihrer Musik und ihrer Atmosphäre prägen das Jahr. Die Kirche setzt sich dafür ein, diese Tage zu erhalten.
- In Seelsorge und Beratung der Kirche wird der ganze Mensch ernstgenommen und angenommen.
- In Krankenhäusern und anderen sozialen Einrichtungen der Kirche schaffen viele haupt- und ehrenamtlich Engagierte ein besonderes, menschliches Klima.
- Wer die Kirche unterstützt, übt Solidarität mit den Schwachen und Benachteiligten.
- Kirchliche Musik und Kunst sind bis heute prägende Kräfte unserer Kultur.
- Wo immer Menschen hinkommen oder hinziehen, treffen sie auch die weltweite christliche Gemeinschaft. Dazu kann jede und jeder beitragen.

